22.Nov 2008

Gepostet von Rakaniaz | 5 Kommentare

Adipöse Nationalisten (Teil 2)

(Erster Teil ist hier zu finden)

Von da an sollte ich Hulk also zur Schule begleiten um – mal offen gesagt – darauf aufzupassen das er nicht abhaut oder anderen Kindern das Nasenbein ins Hirn schlägt.

Die Schule war eine Sonderschule am Arsch der Stadt. Das Alter war auf der Schule egal. Dort gesellten sich 7-jährige zu 16-jährigen. Ist bis auf die Größe der einzelnen Kinder auch nicht aufgefallen, der Bildungsstand hat sich in diesen 9 Jahren nicht nennenswert verändert. Ich sollte auch noch erfahren warum.

Der Unterricht ist nicht unbedingt als solcher zu bezeichnen. Während der 4 Monate die ich dort war wurde genau 1 mal Unterricht gemacht wie ich in kenne. Nur simpler. Winkel mit einem Geodreieck bestimmen, in der 9. Klasse und dennoch war das Ergebnis voll mit Fehlern. Den Deutsch-Unterricht habe ich leider nie mitbekommen, aber ob der so berauschend war mag ich zu bezweifeln, da ich eines Tages eine SMS bekam.

“Brauchst nich zu komen. Binn krang. Hulk”

Ziemlich schlechtes Deutsch für einen überzeugten Nationalisten. Hab dann natürlich erstmal angerufen und mit der Mutter gesprochen, aber Hulk war Ausnahmsweise mal wirklich krank. Oder die Mutter hat gelogen. Soll mir auch egal sein, hab ich halt nen freien Tag.

Man fand Hulk eigentlich immer an seinem Computer sitzend vor. Er spielte irgendein MMORPG das im Gegensatz zu WoW kostenlos war. Der Sinn war dennoch der gleiche. Möglichst viel Zeit verschwenden ohne etwas Produktives getan zu haben. Dazu Unmengen an Cola und Kartoffelgebäck. Fettarm, man muss ja auf seine Linie achten.

Immer wenn ich ihn abgeholt hab, lag er noch im Bett. Nebenjob: Weckdienst könnte man sagen. Er ist selten innerhalb einer Stunde fertig geworden, was auch erklärt warum ich schon um 6 Uhr vor der Tür stand obwohl die Schule um 8.30 Uhr begann. Ich versuchte mich damit zu vertrösten das ich um 13 Uhr schon wieder zuhause bin, da ging das ganz gut. Im Bus erzählte er mir häufig was er in seiner Freizeit so gemacht hat. Er hat mal wieder “dem K*n*cken von drüben voll aufs Maul gehauen”, “einen W*chser der ihn beleidigt hat das Nasenbein zertrümmert” u.s.w.

Dementsprechend oft hatte die Familie dann auch Besuch von der Exekutiven.

Sehr interessant fand ich auch seine Grammatikkenntnisse. Für Ihn ist ein Verb im wahrsten Sinne des Wortes ein “Tu-Wort”. Aus “Wenn ich aus dem Fester schaue” wird “Wenn ich aus dem Fenster schauen tu”; aus “Wenn ich zur Schule gehe” wird “wenn ich zur Schule gehen tu.” – ich habe versucht ihm das abzugewöhnen aber wenn man es sein ganzes Leben lang nur so redet gleicht der Versuch einer Utopie planetaren Ausmaßes. Aber man kanns ja mal versuchen tun.

[Fortsetzung folgt...schreibt mir in den Kommentaren was Ihr noch wissen wollt!]